Bozen: Der Premstaller Hof – steil, aber Spitze

Die Schweizerin Gertrud Vogel pflegt im steilen Weinberg Reben, von deren Trauben einer der besten Südtiroler St. Magdalener gekeltert wird.
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Gertrud Vogel in ihrem Weinberg oberhalb von Bozen.

Publiziert am 22. Mai 2014

Ich war mir nicht sicher, ob unser Auto die Steigung zu Gertrud Vogels Weinberg hinauf überhaupt schafft. Der Motor ächzte und gab Töne von sich, die ich noch nie von ihm gehört hatte. So quasi mit dem letzten Atemstoss gelangten wir doch noch auf den Premstaller Hof – natürlich mit Aussicht über ganz Bozen und die umliegenden Berge. Freudestrahlend begrüsst uns Gertrud Vogel. Ihre Augen sprühen geradezu als sie uns in den Weinberg führt, der unglaublich steil ist. Wie mühsam muss die Arbeit hier sein...


Ottorino, der süsse Hund der Weinbäuerin, ist schon sehr betagt. Aber er lässt es sich nicht nehmen, seinem Frauchen und den Gästen in den Weinberg zu folgen. Unter einigen Reben liegt Schafwolle, weil die Weinbäuerin wieder mal etwas ausprobiert. Sie hat vor mehr als zehn Jahren angefangen, den Betrieb auf biodynamisch umzustellen. Was ihr anfangs den Spott der Einheimischen bescherte. Doch sie liess sich nicht beirren, hat jetzt einen zertifizierten Betrieb und fand auch einen Abnehmer für ihre Trauben. Sie liefert ihre 95% Vernatsch- und 5% Lagrein-Trauben, die gemeinsam im Rebberg wachsen, an die Kellerei Rottensteiner in Bozen, die daraus den St. Magdalener classico keltert. Und aus ausgewählten Trauben – 85% Vernatsch und 15% Lagrein – macht Rottensteiner einen «Select Prem», einen der Spitzenweine der Kellerei. Also mir gefällt er - ich empfehle, ihn zu probieren!

DIE NATUR SORGT FÜR GUTE STIMMUNG
Doch wie kommt eine Schweizerin überhaupt dazu, im Südtirol Reben anzubauen? Gertrud erzählt: Sie ist mit Marco Vogel verheiratet, dessen Familie vor mehr als hundert Jahren den Schweizer Absatzmarkt aufbaute. Marcos Vater gründete 1934 die Weinimportfirma in Zürich, die auch heute noch seinen Namen trägt: Georg Vogel. Inzwischen ist auch die vierte Generation in den Weinhandel involviert. So wundert es nicht, dass Gertrud eine gewisse Affinität zum Thema Wein hat. Früher, als sie mit den Kindern im Südtirol Ferien machte, arbeitete sie aus purem Spass im Weinberg. Alles, was sie vom Weinbau weiss, hat sie von der damaligen Weinbäuerin gelernt.

Im Sommer arbeitet Gertrud in ihrem Weinberg und den Winter verbringt sie in der Schweiz, wo sich ihr Mann um den Weinimport kümmert. Die Frage, ob das denn nicht mühsam sei, so lange von der Familie getrennt zu leben, wischt sie mit einer Handbewegung und einem Lächeln weg. Will heissen: Es geht schon. Sie mag die Arbeit mit der Erde, mit den Pflanzen und mit den Tieren. Das scheint sie auch agil und jung zu halten und sorgt für gute Stimmung. Das spüren bestimmt auch die Trauben…

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Ottorino folgt seinem Frauchen wo es nur geht.

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Weinberg mit Aussicht...

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Die Rottensteiners machen aus Gertrud Vogels Trauben süffigen St. Magdalener.

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Auch die Familie Rottensteiner pflanzt Trauben an.

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Ein schönes altes Fass im Weinkeller.

VOM WEINBERG IN DIE FLASCHEN
Nach dem Premstaller Hof besuchen wir die Kellerei Rottensteiner, um einerseits die Weine der Region zu verkosten, aber auch um einen Blick in die Produktion zu werfen. Diesen Familienbetrieb gibt es seit mehr als 50 Jahren. Während früher der Schwerpunkt auf dem Verkauf von Offenwein an die Schweiz lag, steht seit den 80er-Jahren die Vermarktung von Flaschenwein im Zentrum. Vor allem mit Bozener Trauben wie Lagrein und St. Magdalener. Seit 2001 ist jetzt mit Hannes Rottensteiner die dritte Generation am Werk. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weiter geht. Dass die Qualität der Weine schon im Rebberg beginnt, das ist für alle Rottensteiners klar. Im Weinkeller wird dann das Beste gegeben, um aus guten Trauben einen hervorragenden Wein zu machen.

Wenn Sie in Bozen sind, besuchen Sie doch die Kellerei, um die Weine und ganz speziell den St. Magdalener aus Gertrud Vogels Trauben zu verkosten. Übrigens: Wer den Magdalener aus früheren Zeiten kennt und beim Namen die Nase rümpft, sollte sein Vorurteil ablegen und ganz einfach den Wein probieren…


INFOS

Hans Rottensteiner Weine
Sarntalerstrasse 1a
39100 Bozen
Tel. +39 0471 28 20 15
www.rottensteiner-weine.com

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr
Samstag von 9 bis 12 Uhr

Wer keine Zeit hat, nach Bozen zu reisen, wendet sich an den Weinhandel der Vogels in der Schweiz. Sie importieren mehr als tausend Südtiroler und Trentiner Weine:

Gertrud und Marco Vogel
Georg Vogel Weinhandel
Weinbergstrasse 69
8006 Zürich
+41 44 362 36 50
www.weinvogel.ch

Es gibt übrigens auch einen Film über den Premstaller Hof.


ALLGEMEINE INFOS
www.suedtiro.info

© Text: Inge Jucker; Fotos: Heinz & Inge Jucker | Travel-Experience.ch



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